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Verzicht = Gewinn

Was passiert beim Fasten im Körper?

Der Gedanke, an Askese und sich zu kasteien, wirkt auf uns moderne Menschen nicht besonders sexy. Tief in uns sitzt noch die Jahrtausende alte Urangst vor dem Ver-Hungern. Aber weshalb lohnt es sich, den Körper hin und wieder mal richtig kurz zu halten, auf die RESET-Taste zu drücken und bewusst eine Fastenperiode einzulegen?

Kommt keine Nahrung mehr ins Blut, zapft der Körper seine eigenen Kohlehydratspeicher in der Leber und der Muskulatur an. Danach greift die Leber auf die Lipide, also die Fettreserven im Körper zurück, was ein erwünschter Nebeneffekt beim Fasten ist. Auf die Proteine in den Muskeln wird erst nach mehreren Wochen Nullfasten zurückgegriffen – also keine Angst, dass du nach ein bis drei Wochen Fasten etwas von deiner Muskulatur einbüßen musst! Auf jeden Fall wird dein Blutzuckerspiegel konstanter, dadurch sinkt die Insulinausschüttung, auch Blutdruck und Puls werden verringert. Viele Menschen befürchten, dass sie vom Fasten schlapp und müde werden, oder ständig frieren. Wenn du genügend Wasser trinkst, und hochwertige Mineralien und Vitamine z.B. in Form von frisch gepressten Gemüsesäften zu dir nimmst, wirst du keinen Energieverlust wahrnehmen. Höchstwahrscheinlich tritt sogar das Gegenteil ein: Jene Energie, die sonst für die Verdauung verwendet wird, steht nun frei zur Verfügung. Vielleicht fühlst du dich sogar energiegeladen wie schon lange nicht mehr!

Dass viel Energie für die Verdauung herangezogen wird, spürst du nach einer größeren Mahlzeit. Nach dem Mittagessen fällt die Arbeit am Schreibtisch plötzlich schwerer, du bist deutlich müder.

Ein Löwe, der soeben ein riesiges Stück Antilope verzehrt hat, würde niemals auf die Idee kommen, mit vollem Bauch auf die Jagd zu gehen. Stattdessen widmet er sich dösend seiner Verdauung. Ebenso hielten es unsere Vorfahren, die Steinzeitmenschen. Man machte sich hungrig auf die Jagd oder ans Sammeln, energiegeladen und hoch konzentriert. Der moderne Mensch trägt diesen Rhythmus noch in seinen Genen. Mit leerem Magen sind wir also besonders leistungsfähig, weil wir uns aus evolutionsbiologischer Sicht besonders gut auf die Jagd – sprich unsere Arbeit – konzentrieren können. Das ist ein Überlebensmechanismus, der seit Tausenden von Jahren in unserer DNA gespeichert ist.

Ein sehr wesentlicher Vorteil des Fastens, der sich lebensverlängernd auswirken könnte, ist, dass es zu vermehrter Zellreparatur kommt. Nimmt man längere Zeit keine Nahrung zu sich, wird die sogenannte Autophagie, der Zellreparatur-Mechanismus, eingeschaltet. Der japanische Zellbiologe Yoshinori Ohsumi hat für die Entdeckung dieser „Selbstverdauung“ geschädigter Zellen im Jahr 2016 den Nobelpreis für Medizin erhalten. Das heißt: Falsch geschaltete Proteine und defekte Zellanteile werden in Fragmente abgebaut und als neue, gesunde Teile wieder aufgebaut. Dieser Aufräumprozess kann möglicherweise vor verschiedenen Krankheiten wie Krebs und Alzheimer schützen und dient somit als eine einfache, kostenlose Gesundheitsvorsorge.

Intermittierendes Fasten

Das intermittierende Fasten ist eine alltagstaugliche Ernährungsweise ohne Kalorieneinschränkung. Die klassische Variante – das 16/08 Fasten – sieht vor, dass man 16 Stunden am Tag fastet und während der restlichen 8 Stunden isst. Dieses Intervallfasten fällt sehr leicht, da man ja schon einen Großteil der Fastenzeit schlafend verbringt. Wenn du zum Beispiel um 18 Uhr zu Abend gegessen hast, dann nimmst du erst 16 Stunden später, also um 10 Uhr dein Frühstück ein. Schwierig? Nein!

Der Verzicht auf Lebensmittel findet bei diesem 16/8 Rhythmus also nur einige Stunden statt. Die gesundheitlichen Vorteile sind dabei aber enorm.

Unser Körper ist nämlich evolutionsbiologisch nicht darauf ausgerichtet, dass er ständig Nahrung zur Verfügung hat. Drei Mahlzeiten täglich, dazwischen vielleicht noch ein paar Snacks, und das tagein, tagaus, 365 Tage im Jahr. Ohne Pause für unser Verdauungssystem, ohne Training für unseren Stoffwechsel, auch mal mit weniger Kalorien auszukommen. Und gerade in den Essenspausen finden in den Zellen wichtige lebensverlängernde Vorgänge statt.

Durch 16/08 Fasten kann auch oxidativer Stress (Zellalterung) vermieden werden. Studien haben gezeigt, dass Intervallfasten die Widerstandskräfte der Zelle gegen freie Radikale stärkt und so oxidativen Stress und damit verbundene Entzündungen reduzieren kann.

Ich führe diese einfache, alltagstaugliche Form des Fasten nun schon einige Monate durch. Dadurch komme ich im Wesentlichen nur mehr auf zwei Mahlzeiten pro Tag, was mir sehr zu Gute kommt. Das Frühstück lasse ich weg, meine erste Nahrungsaufnahme ist gegen Mittag, abends esse ich dann gemeinsam mit der Familie. An den Wochenende genießen wir einen späten Brunch und ein frühes Abendessen. Ich kann dir nur empfehlen, 16/08 Fasten einfach mal auszuprobieren. Nicht nur, dass mein Bauch flacher geworden bin, ich habe auch mehr Energie und einen tieferen Schlaf!

Michaela Tatai
flamingo13@kabsi.at